Aggro Grünwald: Die Stehkrägen – „Eure Armut kotzt uns an“ – Snob-Alarm!

Die Stehkrägen feat. La Crosse – „Eure Armut kotzt uns an“
Aufgestellte Krägen an Lacoste- und Ralph-Lauren-Hemden sind seit jeher ein sicheres Zeichen dafür, dass man es mit Schülern von Eliteinternaten oder zumindest mit Jungs aus dem besten Vierteln Münchens zu tun hat. Ab sofort stehen die „Stehkrägen“ auch für feinen Münchner Hip Hop, wie es ihn bisher noch nicht gab. Klar gibt es in München schon viele gute Bands dieses Genres – Blumentopf sind vermutlich die bekanntesten. Doch dank des bundesweiten Aggro-Berlin-Hypes kommt es auch in München zu Gangsta-Rap. Einer davon ist da z.B. ‚Milbertshofen Anthem‘ aus dem Münchner Norden.

Wer nicht gleich von Hassgefühlen überwältigt wird, kann das Video als Satire erkennen. Fünf Jungs und ein Mädchen rappen um einen dicken weißen Mercedes herum, tanzen auf einem Bootssteg am Starnberger See, öffnen riesige Champagnerflaschen und ziehen absurde Mengen weißen Pulvers durch die Nase. „Eure Armut kotzt uns an“ heißt die Single, die den dekadenten Lebensstil der „Schönen und der Reichen“ propagiert. Die Formation nennt sich Die Stehkrägen, das Label Aggro Grünwald.

Endlich eine angemessen aggressive Antwort auf den ewigen Hartz-IV-HipHop aus Berlin, die reichsten Sprösslinge Münchens haben die Nase voll und schlagen zurück. So vermerkt es eine freudig erregte Notiz in Vanity Fair, aber wer genauer hinschaut, kann die versteckte Botschaft kaum übersehen: Da gerät zum Beispiel ein fiktives Magazin ins Bild, das den Titel Teuer und Geschmacklos trägt, und eine schwarze Centurion-Kreditkarte, die einmal formatfüllend vor die Kamera gehalten wird, ist von der „Reich und Doof Bank“ ausgestellt.

In ihren bisherigen Medienauftritten, unter anderem im BR-„Zündfunk“ und in der taz, ziehen die Aggro-Grünwald-Erfinder das Ding eisern durch, beharren auf Pseudonymen wie Constantin Kress zu Krassnstein-Seyn und überbieten sich in Statements von haarsträubender Arroganz. Befreundete Journalisten spielen auch gerne mit, obwohl die wahre Identität der Stehkrägen inzwischen bekannt ist.

Es handelt sich um die Crew der Satire-Sendung „Nachtgestalten“ des Münchner Radiosenders M94,5, größtenteils Studenten der Kommunikationswissenschaft, die teilweise nicht einmal aus München kommen. Rapper Arne Hörmann, 28, etwa stammt aus Karlsruhe und bringt eher Indierock-Erfahrung mit, Philipp Seidel, 33, ist ein Nordlicht aus Eutin in Schleswig-Holstein, dessen Herz nach eigener Aussage „weiter an der Küste hängt“. Der Mastermind des Projekts, der blonde Philipp Walulis, 25, stammt dagegen wirklich aus der Gegend von München: Zwar nicht aus Grünwald, aber immerhin aus dem ebenfalls sehr reichen Pöcking am Starnberger See. Und da nimmt die ganze Sache dann doch eine überraschende Wendung. Mehr in der SZ »

Hier der Eintrag bei Denic:

philipp-walulis.jpg

Weiterführende Links:

[ Video bei Youtube] [aggro-gruenwald.de]
[ Stehkrägen bei myspace.com ]

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