Das Tourismusjahr 2011 im Starnberger Fünfseenland – Zimmervermieter müssen nachbessern!

Sontheim mahnt Qualität an, da sich zu wenige Gastbetriebe zertifizieren lassen – Besucher geben im Schnitt pro Tag 128 Euro im Fünfseenland aus.

Es ist ein regelrechtes Gewurle, nicht so beschaulich wie im Feldafinger Rathaus. „Ich bin aber gerne hier, da kann ich gleich mal meinen nächsten Urlaub planen“, sagt Feldafings Bürgermeister Bernhard Sontheim. Doch es ist kein privater Ausflug, sondern eine dienstliche Verpflichtung, die ihn auf die Freizeitmesse „Free“ in München-Riem geführt hat. Am Stand des Tourismusverbandes Fünfseenland herrscht Gedränge, viele Besucher wollen neue Broschüren haben.

Sontheim soll als Verbands-Chef eigentlich eine Pressekonferenz leiten, in der „Stiegler-Alm“, um die Zusammenarbeit mit den benachbarten Tourismusverbänden Tölzer Land und Ammersee-Lech zu preisen. Doch daraus wird vorerst nichts, denn die hungrigen Messegäste, die alle Tische in der Alm in Beschlag genommen haben, lassen sich auch von Tourismus-Offiziellen nicht so leicht verscheuchen. Zeit also, bei einem Weißbier die Jahresbilanz 2011 zu ziehen.

Der vergangene Sommer war vom Wetter her schlecht, aber der Herbst dafür golden – was der Tourismusbilanz 2011 für das Fünfseenland doch noch einen gehörigen Schub verliehen hat. „Bis in den späten November hinein waren wir gut gebucht“, bilanziert Werner Schmid, der stellvertretende Geschäftsführer des Verbands. Zwar liegen die Zahlen für den Dezember noch nicht vor, doch Schmid rechnet mit einem Plus von zwei Prozent bei den Gästeankünften auf rund 370 000 und einem Plus von drei Prozent bei den Übernachtungszahlen auf rund 1,1 Millionen. Das heißt: Mehr Gäste sind länger geblieben, im Schnitt verbrachten sie 2,7 Tage im Fünfseenland – eine gute Bilanz

Doch das ist nicht genug. „Wir wollen auch in diesem Jahr zulegen“, kündigt Schmid an. Und Verbands-Chef Bernhard Sontheim weiß auch gleich wie das passieren soll: „Wir brauchen eine Qualitätsoffensive.“ Womit er weniger den Verband, sondern vor allem die Vermieter, die gewerblichen und die privaten, meint. Gerade mal 140 Betriebe von mehr als 550 haben sich bislang zertifizieren lassen – was für die Gäste ein immer wichtigeres Kriterium ist. 5500 Zimmer gibt es im Verbandsgebiet, zu dem auch Bernried, Seeshaupt, Münsing und Dießen am Ammersee zählen.

Hier noch ein paar aktuelle Zahlen: Die Gäste, viele von ihnen aus anderen deutschen Bundesländern, waren durchaus nicht sparsam: 128 Euro gibt ein Tourist durchschnittlich pro Tag für Quartier, Verpflegung, Einkäufe und Freizeitaktivitäten aus – so steht es in der Statistik. Zu den 370 000 Urlaubern kommen noch mal rund acht Millionen Tagesausflügler, zumeist aus München, die aber immerhin 35 Euro in den Biergärten, Cafés und Geschäften zwischen Starnberg und Ammersee lassen. Rechnet man das hoch, kommt man auf weit mehr als 350 Millionen Euro, die der Wirtschaftsfaktor Tourismus in die Kassen der heimischen Wirtschaft spült.

Diese Zahlen kennt natürlich auch Landrat Karl Roth, der ebenfalls auf der Free vorbeischaut. „Ein Landkreis ohne Tourismus ist schon lange nicht mehr vorstellbar“, sagt Roth. Und er hat gleich einen Appell an die Bürgermeister und Gemeinderäte in Sachen Tourismusförderung parat: „Andere nehmen mehr Geld in die Hand als wir.“ Derweil bleibt noch Zeit für Bernhard Sontheim, den nächsten Urlaub zu planen. „Irgendwohin mit dem Fahrrad“, sagt er. An der Mosel und in der Schweiz war er die vergangenen Jahre. Ob mit dem E-Bike oder eigener Muskelkraft, das bleibt sein Geheimnis.

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